Design und Programmierung:

Fa. Martin Lenhart

News

Melissa officinalis

Eine Monographie über die Melisse nach westlichen und traditionell chinesischen Kriterien
1. EINLEITUNG
Liest man sich durch die vielen Bücher, welche massenweise verlegt werden und die Anwendung von Heilkräutern beschreiben, muss man feststellen, dass das Wissen über die Wirkung der Heilkräuter zwar sehr groß ist, der Anwender aber dadurch verunsichert wird, dass es keine klaren Aussagen darüber gibt, wann welches Kraut angewendet werden soll.
Es fehlt die Systematik, welche es möglich macht, aus einem Befund klare Richtlinien ziehen zu können, welche zu Kriterien der Therapie führen.
Die TCM bietet ein solches System. Daher ist es verständlich, dass sich TCM-kundige Therapeuten den Ausspruch des Paracelsus - dass immer dort, wo eine Erkrankung auftritt, die Natur auch das entsprechende Heilkraut bietet - zu Herzen nehmen, um die Heilkräuter ihrer Umgebung nach TCM-Kriterien neu zu beurteilen.
Aber nicht nur Heilkräuter der engeren geographischen Umgebung werden angewendet, sonder es werden schon lange Pflanzen u. Pflanzenteile auch medizinisch genützt, welche als Gewürze oder Zierde nach Europa importiert wurden und heute nicht mehr wegzudenken sind.
Es muss noch viel an Erfahrung gesammelt werden, um unsere Heilkräuter in ihrer Wirkweise mit den Strukturen beschreiben zu können, wie es die TCM in ihrer Pharmakopoe darlegt. Doch soll uns dies nicht hindern, auch auf die Erfahrung mit Heilkräutern in Europa zurück zu greifen und die Beschreibungen aus TCM- Sicht neu zu beurteilen.
Ich möchte in dieser Arbeit einen möglichen Weg aufzeigen, wie westliche Heilkräuter sehr wohl, wenn auch mit viel Aufwand, fundiert beiden Medizinsystemen entsprechend praktische Anwendung finden können.
Dazu beschreibe ich das Heilkraut aus Sicht der Botanik, seine Herkunft und Ausbreitung, sowie seine medizinische Anwendung im Laufe der Geschichte.
Aus westlich medizinischer Sicht ist vor allem die Beschreibung der biochemischen Inhaltsstoffe und ihrer Wirkung von Interesse. Im nächsten Schritt versuche ich dann, entsprechend der „biochemischen Erwartung“ aber vor allem der in der Literatur beschriebenen symptomatischen Anwendungen der Melisse, die nach der Erfahrung häufigsten Indikationen heraus zu arbeiten.
In der Darstellung der westlichen Symptomenbilder nach Häufigkeit in der „Phytotherapie – Literatur“ muss natürlich auch der kausale Zusammenhang mit den Wirkstoffen der Melisse heraus gearbeitet werden.
Bei der Analyse dieser westlichen Symptomenmuster nach TCM- Kriterien konzentriere ich mich auf die Beschreibung jener Syndromenmuster, die gemeinsame Grundtendenzen aufweisen, um das Heilkraut entsprechend der chinesischen Pharmakologie darstellen zu können.
Die Grundlagen der chinesischen Heilkräuterbeschreibungen, welche auch auf eine allopatische Therapie, nämlich Leere aufzufüllen, Hitze zu kühlen, Pathogene auszuleiten und ähnliches mehr abzielt, helfen aus den Syndromenmustern Qualitäten abzuleiten.
Da ich selbst schon lange versuche, westliche Heilkräuter entsprechend TCM- Diagnosen einzusetzen, und das mit ausgezeichnetem Erfolg, war es mir ein Bedürfnis, ein Heilkraut Europas zu beschreiben, welches meinem Wissen nach, in China noch keinen Eingang in die dortige Pharmakopoe gefunden hat.
Es war mühevoll, zeitaufwendig und stellenweise ohne Erfolgsaussicht. Letztendlich habe ich dabei aber soviel neues gelernt, erfahren und mir Wissen angeeignet, daß ich mich schon jetzt darauf freue, auch andere Heilkräuter unserer Gärten nach TCM- Kriterien zu beschreiben.
2. THESIS
Auf Grund genauer und wissenschaftlich fundierter Darstellung der chemischen und biochemischen Inhaltsstoffe eines Heilkrautes, sowie der Wirkung der selben, sollten sich klare Indikationen für ein Heilkraut wie die Melissa officinalis erstellen lassen, welche als Symptomenbild nach Kriterien der Traditionellen Chinesischen Diagnostik ein Diagnosemuster ergeben sollten und somit das beschriebene Heilkraut auf Grund seiner Energetik, seines Geschmackes und seiner Wandlungsphasenzugehörigkeit in die traditionelle Chinesische Pharma-kopoe einordnen läßt. Bei der Beurteilung ist aber entsprechend der Traditio-nellen Chinesischen Medizin die praktische Erfahrung, welche in der westlichen phytotherapeutischen Literatur dargelegt ist, zu berücksichtigen, da diese Grundlage der selben ist und nicht eine chemisch- pharmakologische Analyse.
Die Kombination eines kausal- analytischen Ansatzes mit der deduktiv- synthe-tischen Interpretation wird von Porkert zwar als unvereinbar bezeichnet, wird aber nach „chaos- theoretischen Überlegungen“ in den naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern ohne Missempfinden zur Anwendung gebracht, da solche Ansätze als Erweiterung der Dimensionen betrachtet werden.
Nach meiner Überzeugung kann durch die Nutzung so unterschiedlicher Grundlagen eine für beide Schulen effiziente Verbindung geschaffen werden, welche TherapeutInnen Sicherheit in ihrem Handeln gibt und dem Patienten ein viel breiteres Spektrum an Therapiemöglichkeiten bietet, sodass auch unter Alternativen entschieden werden kann, beziehungsweise komplementär agiert werden kann. Beide Medizinschulen, sowohl die westlich naturwissenschaft-liche Medizin, wie auch die empirische Traditionelle Chinesische Medizin, haben ihre eigene Geschichte aus einem philosophisch, weltanschaulichen Hintergrund ( Aristoteles, Descartes; Lao Zi, Zhuang Zi ), doch in der heutigen Zeit sind kulturelle Grenzen nicht mehr so klar zu ziehen und um unserer Kranken Willen, sollten die großen Medizinschulen transkulturelle Strategien zum Wohle der Patienten entwickeln.
Abbildung 1: MELISSA OFFICINALIS Zitronenmelisse



2.1. BESCHREIBUNG:
Namen : Melisse, Zitronenmelisse, Zitronelle, Herzkraut, Mutterkraut,
Melisse, citronelle, citronnade, herb du citron, piment des abeilles,
Balm, Lemmon balm,
Appiastro, cedronella, citraggine, erba cedrata, Hjertensfried,
Rojownik
Medunka lekarska, vcelnik
Citromfü
Der griechische Ausdruck MELISSA bezeichnet zunächst die Honigbiene, welche von den Blüten der Pflanze angezogen wird. Der zitronenartige Geschmack hat aber auch zur Namensgebung beigetragen.
2.1.1. Botanisch:
Die Melisse zählt zu den Lippenblütetlern – Labiatae – welche in der Phytotherapie Europas stark vertreten sind.
Dazu zählen :
Tabelle 1: Lippenblütlerfamilien
Lycopus europaeus Wolfstrapp
Salvia offizinalis Salbei
Mentha alle Minzesorten
Teucrinum Gamander
Lavendula Lavendel
Basilicum Basilienkraut
Prunella Brunelle
Glechoma Gundelrebe
Marrubium Adorn
Lamium Taubennessel
Galeopsis Hohlzahn
Leonurus Herzgespann
Ballota Schwarznessel
Stachys Ziest
Thymus Thymian
Hyssopus Ysop
Origanum Dost
Maiorana Majoran
Aus jeder dieser Familien gibt es Vertreter in den westlich- phytotherapeutischen Sammelwerken.
Die hier abzuhandelnde Pflanze stammt aus dem Orient, wo sie als Bienen-futter, Gewürz und Heilmittel großes Ansehen genoss und von wo sie nach Europa, heute ja sogar bis nach Nordamerika Zugang fand. Im Raum der Türkei finden sich noch viele Wildsorten, die bis zu drei mal im Jahr geerntet werden können. Im mitteleuropäischen Raum kommen zwar auch einige Wildsorten vor, doch stammen diese meist aus alten Kultursorten und können nur einmal jährlich geerntet werden. Die in Mitteleuropa medizinisch am häufigsten verwendete Sorte ist die Kultursorte „Münster“.
Die Ernte der Blätter für medizinische Zwecke sollte wegen des zu dieser Zeit erhöhten Wirkstoffgehaltes an sonnenfreien eher feuchten Tagen vor der Blüte durchgeführt werden. Das Kraut wird 30 – 80 cm hoch und besitzt stängelständige, eiförmige, behaarte Blätter mit gezahntem Rand.
Die bläulichweißen Lippenblüten sind zu blattachselständigen Cymen angeordnet. Die Melisse ist eine sonnenbedürftige Pflanze und sehr frostempfindlich und daher im Norden Europas nur einjährig. Sie blüht in unseren Breiten von Juli bis August.
2.1.2. Historisch:
Diese Heilpflanze wird seit mehr als 2500 Jahren als Medizin verwendet. Schon in vorchristlicher Zeit wurde sie im Orient und von Dioskurides in Sitzbädern gegen Menstruationsstörungen angewendet, als Mundspülwasser sollte sie gegen Zahnschmerzen helfen. Plinius empfahl sie mit Honig abgemischt gegen „Verdunkelung der Augen“. Avicenna lobte sie zur Stärkung der Vitalität und Vertreibung der Melancholie.
Im deutschen Sprachraum wird sie erstmals im Kräuterbuch „Hortus Sanitatis“ (1485) als „Frauenmittel“ erwähnt.
2.1.3. Biochemisch:
Tabelle 2: Inhaltsstoffe der Melisse
(+)-CITRONELLAL Sprossen
1,2-HUMULENE-EPOXIDE Sprossen
1-OCTEN-3-OL Sprossen
10-(ALPHA)-CADINOL Pflanze
2-PHENYLETHANOL Blatt
2Z,4E,6E-ALLOFARNESENE Sprossen
3-OCTANOL Sprossen
3-OCTANONE Sprossen
3E,6E-ALPHA-FARNESENE Sprossen
6-METHYL-5-HEPTEN-2-ONE Sprossen
ALPHA-CADINENE Sprossen
ALPHA-CADINOL Sprossen
ALPHA-COPAENE Sprossen
ALPHA-CUBEBENE Sprossen
ALPHA-HUMULENE Sprossen
ALPHA-MUUROLENE Sprossen
BENZALDEHYDE Blatt
BETA-BOURBONENE Sprossen
BETA-CARYOPHYLLENE Sprossen
BETA-CARYOPHYLLENE-EPOXIDE-I Sprossen
BETA-CARYOPHYLLENE-EPOXIDE-II Sprossen
BETA-CUBEBENE Sprossen
BETA-ELEMENE Sprossen
BETA-GUAIENE Sprossen
BETA-SITOSTEROL Blatt
BICYCLOGERMACRENE Sprossen
CADINA-1,4-DIENE Sprossen
CAFFEIC-ACID Pflanze
CAMPESTEROL Blatt
CARYOPHYLLENE-OXIDE Pflanze
CATECHINS Pflanze
CHLOROGENIC-ACID Pflanze
CIS-3-HEXEN-1-OL Sprossen
CIS-OCIMENE Sprossen
CIS-ROSENOXIDE Sprossen
CITRAL-A Sprossen
CITRAL-B Sprossen
CITRONELLAL Sprossen
CITRONELLIC-ACID Sprossen
CITRONELLOL Sprossen
COPAENE Pflanze
DELTA-CADINENE Sprossen
DELTA-CADINOL Sprossen
DELTA-OCTALACTONE Blatt
E-BETA-FANESENE Sprossen
EUGENYL-GLUCOSIDE Blatt
EUGENYL-ACETATE Pflanze
FURFURAL Blatt
GAMMA-CADINENE Sprossen
GERANIAL Sprossen
GERANIC-ACID Sprossen
GERANIOL Sprossen
GERANYL-ACETATE Sprossen
GERMACRA-1-(10)E,5E-DIEN-4-OL Sprossen
GERMACRENE-D Sprossen
HEXANOIC-ACID Blatt
ISOGERANIAL Sprossen
ISOPULEGOL Sprossen
LIMONENE Sprossen
LINALOOL Sprossen
LUTEOLIN-3-GLUCURONID Blatt
LUTEOLIN-7-GLUCOSIDE Sprossen
METHYL-CITRONELLATE Sprossen
METHYL-HEPTENONE Sprossen
METNYL-GERANIATE Sprossen
MYRCENE Sprossen
N-DOCOSANE Blatt
N-EICOSANE Blatt
N-HENEICOSANE Blatt
N-HEPTADECANE Blatt
N-HEXADECANE Blatt
N-NONADECANE Blatt
N-OCTADECANE Blatt
N-PENTADECANE Blatt
N-TETRADECANE Blatt
N-TRIDECANE Blatt
NERAL Sprossen
NEROL Sprossen
OCTANOIC-ACID Blatt
OCTYL-BENZOATE Sprossen
OLEANOLIC-ACID Sprossen
P-CYMOL Sprossen
POMOLIC-ACID Sprossen
PROTOCATECHUIC-ACID Pflanze
RHAMNAZIN Pflanze
ROSMARINIC-ACID Pflanze
STACHYOSE Pflanze
SUCCINIC-ACID Pflanze
T-CADINOL Sprossen
T-MUUROLOL Sprossen
THYMOL Pflanze
TRANS-OCIMENE Pflanze
TRANS-ROSENOXIDE Sprossen
URSOLIC-ACID Pflanze


Bei den Inhaltsstoffen ist zwischen den beiden Darreichungsformen Öl und Blatt (für Teezubereitungen) zu unterscheiden.
Das kaltgepresste Melissenöl ist wegen des geringen Mengengehaltes in der
Pflanze sehr teuer. Ein Liter des selben kostet heute rd. € 3.000.- am
Weltmarkt. Die meisten Melissenölpräparate stammen aber nicht von Melissa
officinalis, sondern werden aus Citronellgras hergestellt und unter dem Titel
„Indisches Melissenöl“ vertrieben. Öle haben im Prinzip auch eine andere
Wirkung, da sie keine wasserlöslichen Stoffe beinhalten und somit nie das
ganze Spektrum der Heilpflanze darstellen.
Jan Sholten konnte durch Induced Coupled Plasma Spectroskopy mit einem
Leeman PS 1000 UVT Gerät am Omegatech Institut in Ohio, USA den Gehalt an Elementen in Pflanzen, unter anderem auch in der Melisse, erheben.
Dabei zeichnet sich die Melisse gegenüber anderen bestimmten Pflanzen durch keine besonderen Betonungen aus.
Sie beinhaltet etwas mehr an Vanadium und Cadmium als der Durchschnitt aller geprüften Pflanzen und zeigt das Fehlen von Chrom, Germanium, Blei, Lithium, Quecksilber, Molybden und Selen. Aus dieser Analyse alleine sind keine Rückschlüsse über eine zu erwartende Wirkung der Melisse ableitbar.


Tabelle 3: Die wichtigsten Inhaltsstoffe
Melissae aetherolum : Monoterpenaldehyde 40- 75% Geruchsträger
(Geranial 37,7%; Neral 28,9%; Citronellal 3,4%; Linalool 0,4%; Geraniol 2,1%; Geranylacetat)
Sesquiterpene: b-Caryophyllen 15,1%; Germacren D 2,1%
Melissae folium: ätherische Öle 0,02-0,8%
Gerbstoffe 3- 5%
(Rosmarinsäure, Kaffesäurederivate)
Phenolcarbonsäuren und Derivate
Flavonide, Triterpensäuren (Ursolsäure), Bitterstoff, Bern-Steinsäure, Aesculetin



Teep Tabletten- Zubereitungen sind auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt und daher nach den Inhalten der Blätter zu beurteilen.
2.2. TERPENE:
Terpene stellen die größte Gruppe ätherischer Öle dar, welche in Pflanzen in eigenen "„Ölzellen“ gesammelt werden. Sie lassen sich durch Wasserverdampfung, Extraktion oder Heiß- bzw. Kaltpressung gewinnen.
Terpene zählt man gemeinsam mit den Steroiden zu den einfachen Lipiden (Lipoide).
Terpene lassen sich formal als Oligomere des Kohlenwasserstoffes Isopren (2-Methyl-1.3-butadien) auffassen und aus C - Einheiten, Isoprentylen- oder Isopreneinheiten (Isoprenoide) zusammensetzen.
Je nach Zahl der Basiseinheiten teilt man sie in Monoterpene (C10, 2 Isopren-einheiten), Sesquiterpene (C15, 3 Isopreneinheiten), Diterpene (C20, 4 Isopren-einheiten), Sesterpene (C25), Triterpene (C30) und Tetraterpene (C40) ein.
Steroide leiten sich von den Triterpenen ab. Caritinoide besitzen meist Tetraterpen- Struktur.
Terpene haben antimikrobielle Wirksamkeit, die fast in allen Kulturkreisen bekannt ist und war. Sie werden zur Konservierung, für kosmetische Präparate, als Therapeutika und in der Parfum- und Aromaindustrie verwendet. Einige wirken als Pflanzenwachtumsregulatoren und sind wichtige Mediatoren der Wechselwirkung zwischen Pflanzen und Insekten. Außerdem gibt es eine Reihe von Pheromonen, Hormonen, Juvenilhormonen, Alkaloiden, Chlorophyllen und Vitaminen mit Isoprenoidstruktur. Geraniol bzw. Nerol sind acyclische Monoterpenalkohole ausgehend vom Geranylpyrophosphat, welches die zentrale Rolle bei der Biogenese der Monoterpene spielt.
In der Melisse finden sich vor allem Abkömmlinge der acyclischen Monoterpene wie Geraniol, Nerol (cis- Isomer d. Geraniols), Citronellol (reduziertes Geraniol), Linalool.
Abbildung 2: Strukturformel Geraniol

und die Aldehyde Geranial, Neral und Citronellal, welche Schlüsselbaustein der Vitamin A – Synthese darstellen. Geraniumsäure macht zu einem Großteil das Aroma verschiedener Traubensorten aus.
Abbildung 3: Strukturformel Geranial - Neral

Sesquiterpene haben antiphlogistische und spasmolytische Wirkung ( ). Zu den bicyclischen Sesquiterpenen zählt das Caryophyllen.
Die fettlöslichen Vitamine A, E u. K sind Terpenabkömmlinge.
2.3. KAFFESÄURE, ROSMARINSÄURE
Rosmarinsäure zählt zu den Lamiaceengerbstoffen und kommt auch im Majoran, Basilikum, Bohnenkraut und Salbei vor.
Abbildung 4: Strukturformel der Rosmarinsäure

Rosmarinsäure zählt zu den Phenylacrylsäuren und ist eine 2-0-Caffeoyl-2-hydroxi-2.3 dihydro- Kaffesäure und ist somit ein Kondensationsprodukt aus Kaffesäure und Dihydroxyphenyl- Essigsäure. Dieses Derivat zeichnet sich durch eine hohe Antioxydanswirkung, das heißt als Radikalfänger aus.
Rosmarinsäurederivate sind dem Thujon aus dem Absinth sehr ähnlich, welches zuerst euphorisiert um dann in höherer Dosierung klassische Vergiftungssymptome mit klonischen Krämpfen zu produzieren.
Rosmarinsäure als Kaffesäurederivat ist so wie ihr Ausgangsprodukt selbst virostatisch , da sie ein Polymerasehemmstoff ist und die Ausbreitung der Viren von Zelle zu Zelle dadurch hemmt, indem dafür notwendige Rezeptorstellen an ihrer Oberfläche blockiert werden .
Kaffesäurederivate lösen mit steigender Dosierung zum Kopf aufsteigende Hitze, später Palpitationen und nach einer kurzen Tachycardie eine Bradycardie aus.
Flavonide, Phenolsäure und andere Bestandteile sind ebenfalls verantwortlich für die antivirale Wirkung, sowie die Hemmung der TSH Ausschüttung, sodass es zu einer Erniedrigung des Schilddrüsenhormonspiegels kommt. Daher soll Melisse nicht bei Schilddrüsen- Substitutions- Therapie gegeben werden, da sie auch die Resorption dieser Hormone behindert. Weiters konnte festgestellt werden, daß dabei auch die Bildung von Antikörpern gegen Schilddrüsenzellen behindert wird, was letztendlich Hyperthyreoidismus verhindert .
Kaffesäurederivate sind aber auch als Phenolsäure selbst Antioxydans und in dieser Wirkung mit Vitamin C und E vergleichbar. Sie können freie Radikale abfangen und die Lipidperoxydation durch Chelatisierung von Metallionen verhindern. Neben diesem antiatherogenen Effekten hemmen sie auch die Plättchenaggregation, so daß ihnen bei der Prävention der Koronaren Herzerkrankungen ein besonderer Stellenwert zukommt. Auch hemmen sie die Phospholipase A2 und damit die Arachidonsäure- Freisetzung, die Synthese chemotaktischer und entzündungsfördernder Mediatoren und sind auch potente Inhibitoren der Lipoxygenase (LOX) und Cyclogenase (COX).
Kaffesäure ist aber als Abkömmling der Phenolsäure Zimtsäure auch antikarzinogen wirksam vor allem als Kondensat mit Dihydroxyphenylessigsäure zur Rosmarinsäure, welche Phase-I-Enzyme wie Cytochrom P450 (CYP 450) und Phase-II-Enzyme wie Glutathion-S-Transferase (GST) hemmt . Kaffesäure blockiert auch die Nitrosaminbildung unter Reaktion zu C-Nitroso-Phenolderivaten, sie hemmen die Leukotrin-B4-Bildung und Rosmarinsäure besonders effektiv auch 5-Hydroxyeicosatetraensäre (HETE), womit eine Entzündungshemmung stattfindet.
3. INDIKATIONEN NACH SYMPTOMBILDERN
Ein homöopathisches Bild der Melisse konnte trotz intensiver Recherche in keiner Materia Medica gefunden werden, da es anscheinend noch keine Prüfung am Gesunden gab und nur phytotherapeutische Literatur zitiert wird.
Henning M. Schramm beschreibt die Melisse in der „Heilmittelfiebel zur antroposophischen Medizin“ als Pflanze, welche diejenigen unserer Sinne, nämlich Geruchs- und Geschmacks- Sinn , ansprechen die das Materiell- Substanzmäßige hineinführen; außerdem zeigen die Lippenblütler in auffälliger Weise ihre Blüten als weitgeöffneten Mund. Der vierkantige Stengel mit den Blättern weist keine Metamorphose auf, womit die Pflanze selbst starr und erdgebunden wirkt. Im Blütenbereich geht dieses Salprinzip abrupt in die tierhafte Gestaltung über. Hieraus lassen sich die verschiedenen therapeutischen Eigenschaften der Lippenblütler verstehen.
Die Melisse kann als ein Vertreter des Geschmackspoles der Lippenblütler angesehen werden. Sie bildet bis zum Hochsommer nur vegetative Sprossen. Erst spät, in der höchsten Sommerhitze bildet sie kleine, weiße Blüten, die wie mit dem Kraut verwoben erscheinen. Jetzt werden die Blätter zarter und die ganze Pflanze lichtdurchlässiger.
Die Wirkrichtung der Melisse geht zum Nervensystem, Herz und Verdauungstrakt, sowie zu den Reproduktionsorganen; d.h. nach Rudolf Steiner, daß die Wirkung über den Astralleib geht.
Anwendungsgebiete:
Nervensystem: Ohnmachtsneigung, Nervosität, Herznervosität
Verdauung: Koliken, Meteorismus, nervöse Verdauungsbeschwerden (besonders bei Kindern)
Reproduktionsorgane: Amenorrhoe, späte Menarche, Hyper- Dysmenorrhoe, klimakterische Beschwerden

Hippokrates und besonders Paracelsus empfehlen die Pflanze bei Frauenleiden.
Bock ( Kreutterbuch, 1565) 3 rühmte sie bei “beinahe allen innerlichen presten“, bei Verschleimung der Brust, Asthma, schwachem Herzen, Epilepsie, Melancholie, Unterleibsschmerzen, Magendrücken und Mundfäule.
Matthiolus (1626) verwendet sie bei Herzklopfen und „Unruhigen Müttern“.
1611 wurde „Karmelitergeist“ – vor allem aus der Melisse, aber auch anderen Kräutern – gegen Übelkeit und Magenbeschwerden innerlich, aber auch äußerlich als Einreibung gegen Gelenksbeschwerden eingeführt.
Boerhaave (1739) setzte die Melisse bei Nervenkrankheiten als „Muntermacher“ und Tonicum ein.
Leclerc (1929) zitiert Trousseau und Delioux de Savignac, welche die Pflanze gegen Kopfschmerz empfindlich nervöser Personen, Ohrensausen und Schwindel nach geistiger Überanstrengung empfehlen.
In der heutigen Literatur wird die Melisse bei folgenden Symptomen empfohlen:
 Palpitationen, Herzneurosen, Angina pectoris, Neurasthenie, Migräne, nervösem Kopf- , Zahn- und Ohrenschmerz, Schlaflosigkeit, Asthma nervosum, Hysterie, Melancholie, Hypochondrie, Vertigo, Ohnmachtsneigung, sexuellen Reizzuständen, Dysmenorrhoe, Hypomenorrhoe, Chlorose, Anämie; nervös- spastischen Magen- Darm- Erkrankungen, Flatulenz, Brechreiz und Koliken; Zur Stärkung der Augen und des Kreislaufes und zur Förderung der Diurese.
 Äußerlich findet die Melisse Anwendung bei Tumoren, Brustknoten, Quetschungen, Blutergüssen und rheumatischen Beschwerden.
 Engelbert und Hadding publizierten eine Arbeit über Rosmarinic-acid in der sie die entzündungshemmende Wirkung durch Hemmung der C3- Convertase nachweisen konnten.
 Leach und Lloyd stellten in Tierversuchen fest, daß Melisse den Augendruck erhöht. Ob diese Wirkung auch beim Menschen zu finden ist, konnte nicht erhoben werden, so daß Glaukompatienten vom Gebrauch der Melisse abgeraten werden sollte.
 Dimitrova, Dimov u.a. konnten schon 1993 die virostatische Wirkung von Melissenextrakt an Herpes Simplex Virus Typ 1 nachweisen.
 Larrondo wies die antimikrobielle Wirkung der Melissen- Essenz nach.
 Dressing, Köhler und Müller haben in einer randomisierten Doppelblindstudie nachweisen können, daß eine Kombination aus Melissen und Baldrianextrakt den Schlaf ebenso gut fördert, wie das Schlafmittel Triazolam (Halcion), dies aber ohne Nebenwirkungen.
 Yamasaki u. Nakano konnten Anti- HIV-1 Effekte durch Labiatae- Extrakte wie der Melisse nachweisen.
 Wöhlbling u. Leonhart , sowie Koytchev, Allen und Dundarov bestätigten in ihren Studien die Beschleunigung der Heilung von Herpes labialis und Herpes Genitalis durch lokale Anwendungen eines Melissenextraktes.
 Zechini und Zambonelli untersuchten micromorphologisch und biochemisch den Effekt der Labiatae bei Pilzerkrankungen und konnten eine gute Wirkung der Extrakte feststellen.
 Soulimani, Fleurentin, Mortier u. Misslin ( Laboratoire de Pharmacognosie, Universite de Metz, F )konnten im Tierversuch an Mäusen eine Schlaf induzierende, so wie eine periphere analgetische Wirkung der Melisse nachweisen.
 Kennedy, Tildesley und Scholey konnten in einer randomisierten, doppel-blind, crossover Studie nachweisen, daß das Erinnerungsvermögen durch die Gabe von Melisse ansteigt, die Aufmerksamkeit verbessert wird und die Stimmung insofern verändert wird, daß ängstliche Wachsamkeit reduziert und Entspanntheit gesteigert wird. Alle Ergebnisse können auf cholinerge Aktivitäten zurückgeführt werden und bestätigen Melisse als Sedativum mit positiv kognitiven Effekten.
Sonstige Literatur:
 Weiss ordnet der Melisse eine beruhigende Wirkung, einen sedativen Effekt zu, und sammelt die Indikation unter dem Begriff „nervöse Erregbarkeit“ in Beziehung auf das Herz und den Magen zusammen. Er bezeichnet sie auch als leichtes Schlafmittel.
 Prof. Wagner im Pharmazeutischen Institut der Uni München, konnte den sedativen und entspannenden Effekt der Melisse in tierexperimentellen und klinischen Versuchen nachweisen, wobei eine Dosissteigerung keine stärkere Wirkung hervorrief und die Gesamtheit der Wirkstoffe des natürlichen Melissenöls denjenigen der Einzelsubstanz deutlich überlegen ist.
 Tierversuche an Katzenhirnen durch Holm, Med. Klinik Mannheim der Uni Heidelberg konnten den Nachweis erbringen, daß die ätherischen Öle des Melissengeistes (Spiritus Melissae) ihren Angriffspunkt im limbischen System haben, das für die Steuerung der vegetativen Funktionen und für die Abschirmung des Großhirns gegen allzu starke Reize aus der Peripherie zuständig ist, womit die günstige Wirkung der Melissae bei vielfach funktionellen Störungen im Rahmen einer vegetativen Dystonie experimentell bestätigt und geklärt wurden. Als Indikation werden agitiert Depressive Verstimmungen, Einschlafstörungen, nervöse Herzbeschwerden und nervöse Magen- Darmbeschwerden genannt.
 Saller u. Feiereis stellen fest, daß nach heutigen, streng wissenschaftlichen Kriterien die Melisse eine positive Bewertung bei Indikationen im psychischen Bereich erfahren hat und nennen sie gemeinsam mit H. Hypericum (Johanniskraut), Strob. Lupuli (Hopfenzapfen), H. Passiflora (Passionsblume) und R. Valeriana (Baldrian). Als Indikation nennen sie nervös bedingte Einschlafstörung, nervöse Herzbeschwerden und Blähungen und betonen das Fehlen von Nebenwirkungen und Suchtgefahr.
 R. Hänsel kommt, wenn auch mit kritischen Nebenbemerkungen, zum gleichen Schluss und nennt als Indikationen Einschlafstörungen und Meteorismus.
 Hohmann u. Zupko konnten die positive Wirkung der Labiatae Salvia, Melissa und Lavendula auf die Lipidperoxidation nachweisen.
 Michael Tierra stellt bei der Melisse die fiebersenkende Wirkung bei Kindern in den Vordergrund und ordnet zentralnervöse und gastrointestinal- carminative Wirkungen secundär ein. Er erweitert das Spektrum um eine Wirkung gegen chronischen Bronchialkatarrh und kennt die diaphoretische und gynäkologische Wirkung nicht. Daher nennt er sie auch sauer, würzig und kühl und ordnet sie der Lunge und der Leber zu.
 Kenner und Requena beschreiben primär die Wirkung des Melissenöls als parasympatholytisch und antispasmodisch. Sie ordnen sie den Wandlungsphasen Erde, Feuer und Holz zu und da mit Wirkung gegen YANG- Fülle- Zustände und vermeiden jede Aussage über Energetik und Geschmack. Die beruhigende Wirkung führen sie auf eine Leber- YANG- Bändigung zurück. Sie führen eine Wirkung bei Asthma, sowie bei nervösen Störungen, wie auch bei Tinnitus und Schwindel an, anerkennen aber auch eine Wirkung bei Menstruationsproblemen.
 Holmes dagegen geht differenzierter vor. Er beschreibt die Melisse mit ein wenig bitterem, adstringierendem und saurem Geschmack und von kalter Natur, mit Wirkung auf Herz, Uterus, Hirn, Magen, Intestinum und Nerven. An Meridianen ordnet er der Melisse Herz, Pericard, Dreierwärmer, Lunge, Leber, Niere, Lenker- und Konzeptionsgefäß zu.
An Funktionen spricht er der Melisse zu:
1. Hitze klärend, das Herz stützend und stabilisierend, Leber beruhigend und lösend, Geist beruhigend und Schlaf fördernd
2. Qi bewegend und Stagnationen lösend, Nerven entspannend und Krämpfe lösend
3. Schweiß treibend, Wind- Hitze von der Oberfläche vertreibend, Fieber senkend, Schleim ausleitend
4. Herz, Hirn, Nerven, Uterus und Essenz stärkend
5. Blutungen stoppend, stumpfe Traumen und Schwellungen heilend; Knoten lösend, antibiotisch und antiparasitär

Sowohl Holmes, wie Tierra aber auch Kenner & Requena weisen in ihrer Beschreibung der Melisse ein Manko an Erfahrung im anglo- amerikanischen Raum auf und stellen daher eingeschränkte Behauptungen auf oder versuchen keinen Aspekt der Wirkung auszulassen, ohne auf die Zusammenhänge der Funktionen der Organsysteme nach TCM einzugehen. Erst die Erfahrung läßt eine Gewichtung zu und erlaubt Nebenaspekte aus Funktionszusammenhängen zu erkennen um sie nicht extra erwähnen zu müssen. Doch waren diese drei Publikationen die ersten Versuche Westliche Heilkräuter nach den Kriterien anderer Schulen zu beschreiben und sind Initiatoren für weitere Auseinandersetzungen mit dieser Materie.
Alle anderen durchgearbeiteten Bücher über Heilkräuter geben idente Indikationen an.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Melisse
1. durch seine Wirkung auf das Zentralnervensystem beruhigend, stimmungsaufhellend und schlaffördernd wirkt.
2. die Verdauung fördert und harmonisiert, karminativ wirkt
3. In bestimmten Bereichen, besonders aber an der Peripherie, die Durchblutung durch Vasodilatation fördert und somit auch leicht Blutdruck senkend und schweißtrebend wirkt
4. auf die Muskulatur ( sowohl glatte, wie auch gestreifte) krampflösend wirkt
5. antivirale Wirkung besonders gegen HSV 1 zeigt.
6. Präventiv gegen Krebsentstehung durch positive Effekte auf oxydativen Streß wirkt
7. Einfluß auf Menstruationsstörungen hat
4. WESTLICHE DARSTELLUNG DER SYMPTOMENBILDER
4.1. SCHLAFSTÖRUNGEN :
Epidemiologische Studien betreffend Schlafstörungen in Österreich haben ergeben, dass zumindest 25% der Bevölkerung an solchen leidet. Das Gewicht liegt zu 53 % beim weiblichen Geschlecht. Die Inzidenz steigt mit dem Alter und ist dem Einkommen indirekt proportional.
Es werden nach ICD-10 Organische und Nichtorganische Schlafstörungen unterschieden, wobei nur 30 % den organischen Schlafstörungen zugeordnet werden, aber 70% nichtorganische Ursachen aufweisen und als ergänzende psychische Zusatzdiagnosen zu 41,3% neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen aufweisen. Bei 15 % finden sich Störungen durch Alkohol und psychotrope Substanzen und bei 30,6% affektive Störungen.
Schnarchen und Schlafbezogene Atemstörungen (SBAS), sowie Restless Legs Syndrom werden auch unter den Auslösern für Schlafstörungen gefunden, aber hier stellt die Schlafstörung ein Sekundärsymptom dar.
Aus Neurologisch- Psychiatrischer Sicht werden Generalisierte Angststörungen, welche zu Schlafstörungen führen mit Benzodiazepinen, Panikstörungen mit Aprazolam, die primäre Insomnie mit Zolpidem, Dysthymien mit Trazodon und Depressionen mit SSRI behandelt.
Die häufigst verwendeten Schlafmittel sind Benzodiazepine. Barbiturate werden kaum noch verordnet .
Benzodiazepine wirken beruhigend, einschläfernd, angst und spannungslösend sowie krampflösend. Sie verändern den Tiefschlaf und reduzieren den Traumschlaf, wodurch die notwendige Erholung gestört bleibt. Es kann paradoxe Reaktionen wie Wutanfälle, Angstzustände und Wahnvorstellungen geben. Intoxikationen führen zu Atemlähmungen. Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit werden herabgesetzt. An Langzeitfolgen sind Leberfunktionsstörungen, Blutbildveränderungen, Herz- Kreislaufprobleme und Depressionen bekannt. Es kommt zur Gewöhnung innerhalb von drei bis vierzehn Tagen, so daß eine Dosissteigerung notwendig wird, daraus resultiert letztendlich auch die psychische und körperliche Abhängigkeit.
Abruptes Absetzen der Medikation führt häufig erst verspätet zu Entzugserscheinungen wie Krampfanfällen, Delir, Halluzinationen, Alpträumen, Angstzuständen, Panikattacken und neuerlichen Schlafstörungen.
Sosehr der Markt mit Psychopharmaka auch boomt und anscheinend alle Verstimmungen und Symptome medikamentös behandelt werden können, so sehr schreckt diese Therapie viele, wegen der Neben- und Folgewirkungen und raubt auch dadurch den Schlaf.
4.2. AGITIERTE DEPRESSION :
Bei den Depressionen werden drei Grundgruppen unterschieden:
Tabelle 4: Einteilung der Depressionen
a) Somatische Depression :
 organische Depression
 symptomatische Depression
 schizoaffektive Depression
b) Endogene Depression :
 bipolare Depression.
 unipolare Depression
 Spätdepression
c) Psychische Depression :
 neurotische Depression
 reaktive Depression
 Erschöpfungsdepression

Unter praktischen, therapieorientierten Gesichtspunkten ist die phänomenologische Einteilung vorteilhaft :
Tabelle 5: Phänomenologische Einteilung von Depressionen
 Gehemmte Depression
 Agitierte Depression
 Somatisierte, maskierte oder larvierte Depression

Allen Depressionen gemeinsam ist ein Ungleichgewicht zwischen dem Neuro-transmitter Serotonin und den dafür zuständigen Rezeptoren, sodass bei einer Depression immer ein absoluter bzw. relativer Serotoninmangel auftritt. Bei den meisten Depressionspatienten fällt auch ein erhöhter Cortisonspiegel auf.
Saisonal abhängige Depressionen ( Frühjahr, Herbst, Winter) werden eher als Verstimmungszustände angesehen und limitieren sich selbst.
Allen Depressionen gemeinsam ist eine Störung der circadian Rhythmik und im Schlaf sind die REM- Phasen verkürzt oder fehlen ganz.
An pharmakologischen Substanzen für die Behandlung von Depressionen unterscheidet man:
Tabelle 6: Antidepressiva
Trizyklische Antidepressiva Reuptakehemmer von Serotonin u. Noradrenalin
Tetrazyklische Antidepress. Reuptakehemmer bes. von Noradrenalin
Atypische Antidepressiva haben präsynaptische Wirkung
SSRI Selektive Serotonin- Reuptke- Inhibitoren
SSNRI Selektive Serotonin- u. Noradrenalin Reuptke- Inhibitoren
SNRI Selektive Noradrenalin Reuptke- Inhibitoren

Weitere Antidepressiva
Trizyklische Präparate haben anticholinerge Eigenschaften, sodass Mundtrockenheit, Sedierung, Blutdrucksenkung und Augendrucksteigerung als Nebenwirkung zu berücksichtigen sind. Dazu können noch Miktionsstörungen bei Prostatahyperplasie, Verwirrtheit, Akkomodationsstörungen, Obstipation und cardiale Reizleitungsstörungen kommen.
SSRI Präparate haben Unruhe und Schlafstörungen als Nebenwirkung. In Verbindung mit Moclobemid führen sie zum Serotoninsyndrom mit Fieber, Muskelkrämpfen, Tremor und deliranten Zuständen.
Die agitierte Depression, typischer Weise auch „Jammerdepression“ genannt, zeichnet sich durch ein ängstlich, depressives Stimmungsbild mit psychomotorischer Antriebssteigerung, ängstlicher Getriebenheit, Bewegungsunruhe oder unproduktiver Hektik aus und gibt das Bild der Situation wider, wie es in der Literatur für den Einsatz der Melisse beschrieben wird.
4.3. NERVÖSER MAGEN- DARM TRAKT:
Darunter versteht man laut Literatur Verdauungsbeschwerden und Störungen im Magen- Darmtrakt, welche durch Belastung und Streß psychischer und / oder physischer Natur ausgelöst werden. Der Verdauungstrakt stellt somit eine Schwachstelle dar, welche bei der kleinsten Irritation Symptome zeigt. Dazu zählen Aufstoßen, Völlegefühl, Obstipation, Wechselstühle, Borborygmien, Meteorismus, Durchfall u.v.a.m.
4.4. PERIPHERE DURCHBLUTUNG:
Periphere Durchblutungsstörungen können im Prinzip auf inadäquaten Lebensstil zurückgeführt werden. Ausgangspunkt dafür ist „Oxydativer Stress“ mit Bildung von Radikalen, was letztendlich zu Plaquesbildung an den Gefäßwänden führt, die Elastizität der Gefäßwände reduziert und schließlich durch Einengung des Lumens zu einer Verminderung der Durchblutung im zu versorgenden Bereich führt.
Syndrome, wie der Morbus Raynold sind davon nicht ausgenommen, da auch hier ein Stressfaktor gefunden werden kann.
4.5. MUSKELKRÄMPFE
Muskelkrämpfen liegen unterschiedlichste auslösende Faktoren zu Grunde:
 Störungen des Zentralnervensystems
 Störungen im Elektrolythaushalt
 Gestörte Blutversorgung
 Stoffwechselstörungen (Hyperacidität)
 Fehlender Antagonist
 Entzündungen
4.6. HERPES VULGARIS TYP 1 (HSV1)
HSV1 ist eines der vielen Herpesviren, welche in die Unterfamilien Alpha -, Beta - u. Gammaherpesvirinae unterteilt werden.
All diesen Viren gemeinsam ist :
 Sie kodieren für eine große Zahl viraler Enzyme (ein Vorteil für die antivirale Chemotherapie, da sie potentielle virusspezifische Angriffspunkte darstellen).
 Die Synthese der viralen Desoxyribonucleinsäure (DNS) und der Zusammenbau des Viruskapsids erfolgen im Kern der infizierten Zelle.
 Die Produktion infektiöser Viruspartikel ist begleitet von der Zerstörung der Wirtszelle (lytische Infektion).
 Sie persistieren im Wirtsorganismus in einem sogenannten Latenzzustand. Erbgut des Virus kann in latent infizierten Zelle - wobei die Zellart von der Art des jeweiligen Herpesvirus abhängt – nachgewiesen werden, jedoch erfolgt keine oder so gut wie keine Genexpression. Die klinische Bedeutung des Latenzzustandes liegt in der Möglichkeit zur Virusreaktivierung begründet, welche zur Erkrankung führen kann.
Herpes vulgaris ist ein in Europa ubiquitär vorkommendes Virus (90% Durchseuchung), welches durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird. Der Nachweis des Infektes gelingt mit Immunfluoreszenz (IF)- oder Immunperoxydase- Mikroskopie der ELISA- Enzymimmunassay Methode zur Bestimmung von HSV- IgM und IgG Antikörpern, Virusisolierung auf Zellkultur und Typisierung mittels Typ- spezifischer monoklonaler Antikörper, Nucleinssäurenachweis mittels Polymerase- Kettenreaktion (PCR) oder durch Light Cycler PCR, einer Methode, die an der Uni Graz entwickelt wurde.
Die Erstinfektion findet meist schon im Säuglings- bzw. Kleinkinalter statt, wobei dieser Erstaffekt im Bereich der Mundhöhle und des Oropharynx in 99% asymptomatisch verläuft. Das Virus verläßt den Körper nicht, sondern siedelt sich in Ganglienzellen an, von wo aus es unter Streßbedingungen (Erkältung, Sonnenexposition, psychischer Streß u.a.m.) und daraus resultierender Schwächung des Immunsystems immer wieder zu Rezidiven führt.
Symptomenbild: erst Rötung und Juckreiz in Form kleiner beetartiger Effloreszenzen, welche sich mit Flüssigkeit füllen und kleine Bläschen verursachen. Diese rupturieren und heilen mit einer blutigen Kruste letztendlich ab, ohne Narben zu hinterlassen.
Herpesinfektionen gibt es auch im Bereich der Augen, als Herpes Simplex Dermatitis, Ekzema herpeticum, Kaposi`s varicelliforme Eruption, HSV- Encephalitis, Herpes neonatorum und Erythema multiforme.
Patienten mit Immunstörungen oder unter Immunsuppresionstherapie können generalisierte Formen aufweisen, welche durch Hepatitis, Pneumonie und Encephalitis lebensbedrohend werden.
Um Rezidive zu vermeiden, ist Stressvermeidung notwendig und das Immunsystem zu stärken. Die Anwendung von Sonnenschutzcremen konnte keine Reduktion der Rezidive zeigen, eben so wenig wie die Anwendung von Virostatika systemisch oder lokal.
Bei ersten Anzeichen eines Rezidives kann durch die Gabe von Virostika die Dauer und das Symptomenbild der Erkrankung eingeschränkt werden, wenn sehr früh mit der Therapie begonnen wird. Kortison und andere auch lokal anzuwendende Präparate konnten keinen signifikanten Erfolg nachweisen.
Die empirische Aussage, daß HSV Infekte nach dem Lebensalter das Symptomenbild ändern – Kindesalter: Mundaphten; junger Erwachsener: Herpes Labialis u./od. Genitalis (HSV2 !!!); älterer Erwachsener: Herpes Zoster (Varicella Virus) – konnte widerlegt werden.
4.7. LUNGEN UND HAUTKREBS
Die Erscheinungsformen und Entstehung von Lungenkrebs und Hautkrebs ist so vielfältig und multifaktoriell, daß eine straffe Darstellung in diesem Rahmen nicht Platz greifen kann. Es wird noch viel Grundlagenforschung notwendig sein um gemeinsame Wurzeln definieren zu können. Als sicher kann angenommen werden, daß die Belastung der Lunge durch Inhalation von Umweltgiften (Rauchen) maßgeblich zum Lungenkrebs beiträgt und Sonnenexposition das Auftreten von Hautkrebs fördert.
4.8. MENSTRUATIONSSTÖRUNGEN
Im Prinzip werden alle Menstruationsstörungen in der Schulmedizin mit einem gestörten Hormonhaushalt erklärt, so daß eine weitere Differenzierung in diesem Rahmen keinen Hinweis auf die Wirkweise der Melisse geben kann.
Eine Differenzierung scheint mir nur nach TCM – Diagnosekriterien möglich, da nur dort das Zusammenspiel aller Funktionskreise einer klaren Systematik unterliegt und erst so eine Differenzierung ermöglicht.
5. TCM SYNDROMENMUSTER:
5.1. SCHLAFSTÖRUNG:
In der TCM wird ausreichender Schlaf als Grundlage für eine Ausgewogenheit von YIN u. YANG gesehen. Wenn YANG aufgebraucht ist und YIN zunimmt, sollte Ruhe einkehren und Schlaf eintreten.
Einschlafstörungen werden in der TCM als absolutes oder relatives YIN- Mangelzeichen gesehen, relativ dann, wenn ein übermäßiges YANG vorhanden ist, oder YANG zu einer Schwächung des YIN durch Verbrauch führt. Feuer wäre ein solcher YANG Faktor und zeichnet sich außerdem durch das Kennsymptom „Unruhe“ aus. Zwei Organsysteme können Feuersyndrome aufweisen, nämlich Leber und Herz.
 Loderndes Herzfeuer (XIN HUO SHANG YAN) wird verursacht bzw. geschürt durch Sorge und Nachdenklichkeit, da die Mitte als Sohn im Hervorbringungszyklus, welcher diese Emotionen zugeordnet werden, das Herz erschöpft und als Quelle von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten kaum mehr Nachschub liefert. Dieses Syndrom ist immer mit Palpitationen, dem unangenehmen Wahrnehmen des eigenen Herzschlages verbunden und zeigt von der Mitte her Verdauungsstörungen. Es muss dabei aber nicht unbedingt diese Konstellation im Vordergrund stehen, sondern es kann auch zu einem YANG- Überschuß im Herzen kommen, wenn die Niere als Kontrollor des Feuers diese Funktion nicht mehr erfüllen kann und das Herz nicht mehr zu kühlen im Stande ist, sodass durch ein Übermaß an Emotionen ein relativer Herz- YANG Überschuß zu Herz- Feuer aufflammt. Dann ist das Symptomenbild aber durch Nierenschwächekennzeichen mitgeprägt, nämlich mit Kreuz oder Kniebeschwerden und Nieren YIN Mangelzeichen wie Nachtschweiß und „fünf heiße Herzen“.
 Loderndes Leberfeuer (GAN HUO SHANG YAN) wird meist durch Ärger oder Frust über längere Zeit verursacht und geht eher mit Gereiztheit einher. Dieses Syndrom zeigt oft einen YIN- Mangel der Leber, der mit der Zeit bis in die Niere zurückreichen kann und dann von Kreuz- und Kniebeschwerden begleitet wird und auch hier Nieren YIN Mangelzeichen wie Nachtschweiß und „fünf heiße Herzen“ zeigt.
 Herz Blut Mangel aus Mitte Qi Schwäche ( XIN XUE PI QI XU) ist ein häufiges Syndrom älterer Personen, zeichnet sich aber durch Durchschlafstörungen bei sehr oberflächlichem Schlaf sowie Antriebslosigkeit aus.
 Herz Blut Mangel (XIN XUE XU) macht eher Durchschlafstörungen, Palpitationen und Ängstlichkeit, sowie Ruhelosigkeit und ist konstitutionell bedingt oder durch starken Blutverlust, langen schweren Erkrankungen oder durch mangelnde Ernährung.
 Herz YIN Mangel (XIN YIN XU) zeigt Palpitationen, tachycarde Herzrhythmusstörungen, Ängstlichkeit bis Panik, Vergeßlichkeit, Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit, Nachtschweiß, fünf heiße Herzen. Da Herz YIN Mangel aber auch Herz Blut Mangel beinhaltet, geht immer eine Durchschlafstörung der Einschlafstörung voraus.
 Schleim- Hitze (TAN HUO) durch Fehlernährung ist ein Füllesyndrom und macht thorakale Beklemmungsgefühle und Schweregefühl und kann mit Palpitationen einher gehen. Auch diese Hitze macht unruhig, es fehlt aber die ängstlich depressive Komponente.
 Bei einer Disharmonie zwischen Herz und Niere (XIN SHEN BU JIAO) durch anhaltende Überlastung und Stress, welche das Nieren- YIN erschöpfen, kann die Niere das Herz im Kosmologischen Zyklus nicht mehr kühlen. Es kommt zu YANG- Fülle- Zeichen oben und YIN- Mangel Zeichen unten. Auch diese Hitze beunruhigt und zeigt aus dem Nierenmangel Ängstlichkeit, wobei gerade der Nieren- Yin Mangel zur Einschlafstörung prädestiniert und die Herz- Hitze oben Wallungen verursacht.
.
 Herz und Gallenblasen QI Mangel (XIN DAN QI XU) beruhen auf einer konstitutionellen Schwäche und werden von Ängstlichkeit begleitet, doch zeigt dieses Syndrom eher einen unruhigen Schlaf und frühes Aufwachen und wird von Palpitationen und Verspannungen begleitet..
 Leber YIN Mangel (GAN YIN XU) kann Ein- und Durchschlafstörungen aufweisen, ist aber eher mit Gereiztheit ohne Ängstlichkeit, Hitzegefühl und auffallender Trockenheit der Schleimhäute verbunden, da auch zu wenig Blut für die entsprechende Versorgung dieser Oberflächengewebe vorhanden ist. Auffallend dabei ist eine Leber- YANG Symptomatik mit dem Bild der Sturheit und Intoleranz. Leber YIN Mangel zeigt in der Folge oft eine Erschöpfung der Mutter mit Nieren YIN Mangelzeichen. Doch schon der Leber YIN Mangel präsentiert sich mit Nachtschweiß und „fünf heißen Herzen“.
5.2. AGITIERTE DEPRESSION :

Angst als Emotion, meint die TCM, steigt zur Niere ab, Furcht dagegen steigt zum Herzen auf. Furchtsamkeit wird von der Psychiatrie als Affekt beschrieben der sich von den anderen Affekten durch seinen spezifisch unangenehmen Charakter unterscheidet. Furcht besteht aus einem somatisch, physiologischen Aspekt (Atembeklemmung, unangenehmen Empfindungen und Sensationen, vasomotorischen Veränderungen, muskuloskeletalen Störungen wie Zittrigkeit und Schweißausbrüchen). Furchtsamkeit ist eine Reaktion auf unreelle oder imaginäre Gefahr. Furchtsamkeit ist ein vielgesichtiges Phänomen welches akut oder chronisch in Erscheinung treten kann. Akuter Furchtsamkeit kann durch zwei Strategien begegnet werden – Kampf oder Flucht. Die Angst der Niere verdammt zur Bewegungslosigkeit, hier gibt es keine Lösungsalternativen.
Das heißt aber auch , dass Furchtsamkeit, nicht nur ein Signal dafür ist, dass etwas nicht in Ordnung ist, sondern auch, dass der Organismus noch in der Lage ist zu reagieren, zu antworten, dass noch Reserven vorhanden sind.
Depression dagegen ist ein Zeichen dafür, daß der Kampf vorbei ist, dass es keine Reserven mehr gibt, um zu neuen Horizonten aufzubrechen.
Das klassische Modell der TCM kennt fünf Auslösende Situationen bzw. Syndrome für Furchtsamkeit, welche letztendlich in der Depression enden.
 Durch plötzlichen Schreck bei schwacher Konstitution wird Herz Qi zerstreut und somit der Geist, SHEN, in Unruhe versetzt, die Störung ist auf das Herz konzentriert, Es kommt zu Palpitationen, Unruhe, traumgestörtem Schlaf und Appetitlosigkeit, da die Mutter Feuer ihren Sohn Erde nicht mehr adäquat nährt.
 In der Folge von massivem Blutverlust oder längerer, schwerer Erkrankung kommt es zu einem Herz- Blut Mangel der sich in Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Palpitationen, Unruhe - Blut- Mangel ist ein YIN- Mangel Aspekt - , Schwindel und getrübte Sicht darstellt. Primär ist wieder das Herz betroffen, diesmal aber mehr im YIN- Aspekt Blut, denn im YANG-Aspekt QI. Die Folgen dieses Blutmangels sind typischerweise Durchschlaf-störungen, das bedeutet, dass SHEN wie die Prinzessin auf der Erbse reagiert, da zu wenig Daunen, nämlich Blut im Bett vorhanden sind und SHEN „schlecht liegt“ , erhebt es sich immer wieder und geistert ziellos herum.
 Es kann Furchtsamkeit auftreten bei exzessiver Hitze durch Wasser YIN Defizit. Dadurch zeigen sich Symptome wie Kreuz oder Kniebeschwerden mit Nachtschweiß und fünf heißen Herzen, aber auch Palpitationen, da die Niere das Feuer nicht mehr kühlen kann, Einschlafstörungen, Schwindel oder Tinnitus. Diese Situation ist immanent mit einem Blut Defizit verbunden, so daß es zu einem relativen YANG Überschuß kommt, der wieder Unruhe verursacht.
 Es kann ein Nieren und Milz Defizit zur pathologischen Anhäufung von Flüssigkeiten führen, was sich in Palpitationen, Brust und Oberbauchfülle, Abgeschlagenheit und Husten mit Auswurf manifestiert . Das auslösende Organsystem dafür erkennt man an der Primärlokalisation der Nässeanhäufung.
 Feuerhitze- Schleim entsteht durch die lange Akkumulation von Nässe aus einem Milz Mangel und die Feuerhitze aus einer Stagnation in der Wandlungsphase Holz durch Emotionen ( d.h. dass aus einer Leber- Qi- Stagnation loderndes Leberfeuer entstehen kann und in der Folge Hitze- Schleim auftreten kann), falsche Ernährung oder lange schwere Erkrankung. Hitze führt zu Eintrocknung der Nässe und hinterläßt dadurch zähen Schleim. Es kommt zu Palpitationen, Verwirrtheit, Erregung, Besessenheit und exzessiven Träumen. Schizophrenie und Epilepsie sind auf dieses Syndrom zurückzuführen.
Im Leitfaden werden nur Leber- Qi- Stagnation, Loderndes Leber Feuer und Qi- Flußblockade durch Schleim und Blutmangel als zugrundeliegende Syndrome angeführt.
5.3. NERVÖSER MAGEN- DARMTRAKT:
Unter diesem Titel sind viele Symptome einer gestörten Verdauung subsummierbar. Betrachtet man aber die Aufgaben des Magen Darmtraktes, kommt man einer Differenzierung näher.
Milz und Magen: empfangen Nahrung, haben diese zu zerkleinern und GU QI daraus zu extrahieren. Die Milz schickt ihr QI nach oben in den Brustkorb, während der Magen den Speisebrei nach unten weiterbefördert.
Dünndarm: trennt Trübes von Klarem. Das Trübe gibt er an die Blase weiter, das Klare wird verwertet und dem Organismus einverleibt.
Dickdarm: auch hier wird noch Trübes von Klarem getrennt, wobei auch hier das Klare dem Organismus einverleibt wird, währen das trübe und unverwertbare Material als Stuhl ausgeschieden wird.
An der Verdauung noch beteiligt sind Leber und Galle, welche die Mitte kontrollieren und mit der Galleflüssigkeit Essenz zur Verfügung stellen, deren Aufgabe im Rahmen der Verdauung aber in der mir zugänglichen TCM- Literatur keine Erwähnung findet. Die Niere als Reservoir von allem YIN, YANG und QI stellt die grundlegende Energie zur Einleitung der Verdauung zur Verfügung.
In der ZANG FU- Diagnostik ist das Leitsymptom der Wandlungsphase Erde „Störung bei der Verwertung der Nahrung“, womit die Lokalisation nach Organen klar wäre.
Die Qualität „nervös“ läßt am ehesten an streßbedingte Störungen denken, welch am ehesten noch der Wandlungsphase Holz zugeordnet werden können. Dieses Prädikat „nervös“ beinhaltet aber auch eine grundlegende konstitutionelle Schwäche, welche das Holz so reagibel macht. Außerdem stehen nach TCM- Grundlagen Leber und Milz, so wie Galle und Magen in einem engen „Eheverhältnis“, bilden somit die Grundlage einer Familie, welche sich nur in Harmonie entfalten kann. Die Mutter des Holzes nährt aber nicht nur dieses selbst, sondern stellt auch „das ewige Flämmchen“ für die Mitte zur Verfügung, so daß daran zu denken ist, daß diese Schwäche in der Niere verwurzelt ist. „Nervös“ läßt aber auch an „agitiert“ denken und unruhige Agitiertheit verlangt nach einem YANG- Faktor in relativem Übermaß, das heißt nach einem YIN- Mangel Aspekt, der nicht so ausgeprägt sein muß, trotzdem aber Hitze in Erscheinung treten läßt. Erster Schritt zu einem YIN- Mangel aber ist der Blut –Mangel (Xue Xu), der immer wieder anklingt, oder ein Mangel an Körperflüssigkeiten (Yin Je Xu) für den es aber in der Symptomatik keinen Hinweis gibt.
Eine Mitteschwäche aus einer chronischen Nierenschwäche, welche das Leber- Yin nicht mehr ordentlich nähren kann, könnte als TCM- Syndromenmuster Anwendung finden und würde auch erklären, warum schon kleinste Irritationen zu Störungen im Magen- Darm- Trakt führen.
5.4. PERIPHERE DURCHBLUTUNG:
„QI bewegt das Blut und Blut nährt das QI“ ist eine grundsätzliche Aussage der TCM.
Die Leber ist für den harmonischen Qi Fluss verantwortlich und speichert und verteilt das Blut. Die Milz ist Quelle von QI und Blut. Die Lunge wieder ist für die Verteilung von QI zuständig. Die Niere ist Grundlage von allem YIN, YANG und QI. Das Herz letztendlich ist für den Blutfluß in den Bahnen, welche von der Mitte zur Verfügung gestellt werden, zuständig.
Eine Verbesserung der peripheren Durchblutung könnte zwar von der Mitte ausgehen, welche ihre Funktion Qi und GU-QI - für die Blutbildung - nachzuliefern verbessert, doch ist erkennbar, daß alle Wandlungsphasen an der adäquaten peripheren Durchblutung beteiligt sind und aus diesem Symptom alleine, nämlich daß Melisse die periphere Durchblutung verbessert, die Wirkweise basierend auf einem TCM- Syndromenmuster nicht abgeleitet werden kann, sondern nur im Zusammenhang mit anderen Wirkungen, wo besonders das Herz angesprochen wird.
5.5. MUSKELKRÄMPFE:
Die Muskulatur – „das Fleisch“ – wird der Erde zugeordnet, die Funktion der Muskulatur selbst aber dem Holz (Ehefrau und Ehemann Beziehung), welches Blut für die Ernährung der selben und Qi für die Funktion harmonisch fließen läßt, welches von der Lunge (Sohn der Milz) verteilt wird.
Krämpfe selbst, denen ein „Spannungsgefühl“ zugeordnet werden können, sind Kennsymptom des Funktionskreises Leber, wobei die Entspannung eher einen YIN- Aspekt darstellt und daher hier am ehesten ein Mangel zu suchen ist.
Blutmangel ist schon in den vorangegangenen Symptombildern angeklungen und stellt selbst einen ersten Schritt zum YIN- Mangel dar.
5.6. HSV1 – INFEKT:
In allen Arbeiten zur Wirkung der Melisse gegen HSV1 – Infekte wird betont, daß die Melisse die beste Wirkung zu Beginn der Erkrankung zeigt. Die häufigste Form ist die Herpes labialis Manifestation. Es treten beetartige rote Effloreszenzen an den Lippenrändern, am Naseneingang oder zum Kinn hin auf, welche vorerst stark jucken und dann brennende Schmerzsensationen auslösen. Begleitet wird dieses Bild oft von Unruhe, Trockenheit im Mund und trockenen Stühlen.
Hier hat nach der TCM Wind- Hitze den Organismus affiziert. Entsprechend der „Vier- Schicht- Diagnose“ zur Differenzierung von durch Hitze verursachte Erkrankungen, kann ein WEI- Hitze- Syndrom angenommen werden, welches sich außen im Dickdarmmeridianbereich, dem YANG des Metalles manifestiert.
5.7. LUNGEN- U. HAUTKREBS:
Die TCM schreibt der Lunge das Verlangen nach Befeuchtung, die Anfälligkeit für Kälte und eine eher nach unten gerichtete Funktion zu. Als Syndromenmuster kommen viele Kombinationen pathogener Situationen bei der Entstehung von Lungenkrebs in Frage.
 Trockenheit
 Aberrantes Lungen Qi
 Hitze
 Blutstagnation in den Kollateralen
 Gestörte Verteilung der Körperflüssigkeiten, welche zu Schleimansammlungen führen
 Eingestautes Qi, welches gegen die Lunge rebelliert und ihre Funktion behindert
 Disharmonie zwischen Mittlerem und Oberen JIAO, welche das Diaphragma belastet
„Die Sammlung über Chinesische Anti- Krebs Formeln“ sagt, daß Hautkrebs in der TCM unter Wunden und Toxinen abgehandelt werden. Auch findet man laut Ken Tang Wang ( 1549- 1613) Hautkrebs unter der Bezeichnung Wu Ming Chung Tu.
Das Chinesische Medizin Wörterbuch schreibt diese Erkrankungen zu viel Ärger zu, welcher zu einer Hitzeakkumulation in der Leber führt und das Blut austrocknet.
In der TCM werden explizit zwei Syndromenmuster bei Hautkrebs genannt .
 Pathogene Hitze im Inneren, welche Yin konsumiert und ZHENG-QI schwächt
 YIN- Erschöpfung im Nieren und Leber- Bereich nach chronischen Erkrankungen
Für die Diagnosen Lungenkrebs und/ oder Hautkrebs sind nur sehr schwer Hinweise auf Diagnosemuster zu finden, da die TCM keine invasiven Diagnoseverfahren kennt und daher nur offensichtliche Symptome wie blutiger Husten, Schleim, Atemnot, trockene Haut, schlecht heilende Ulcera und ähnliches mehr verwendet um nach auslösenden Faktoren zu suchen. Die summarische Beschreibung eines Endergebnisses an Organstrukturen liegt ihr fern, da sie alles nur als Momentaufnahme eines langen Weges sieht und daher nicht als Endergebnis formuliert, denn dieses kann durch entsprechendes Verhalten und Therapie verändert werden. Hitze und YIN- Mangel geben aber in Bezug auf Wirkmöglichkeiten der Melisse einen fassbaren und verwertbaren Hinweis.

5.8. MENSTRUATIONSSTÖRUNGEN:
5.8.1. Späte oder keine Menarche:
Da in der TCM die Niere die Essenz speichert und Grundlage für die Reproduktionsfähigkeit darstellt, können im Prinzip vier Syndrommuster dafür genannt werden.
 Kongenitaler Mangel an Essenz der zu Entwicklungsstörungen führt und somit auch den Ausgleich durch nachgeburtliche Essenz nicht zuläßt
 Nieren – YANG – Mangel
 Nieren – YIN – Mangel
 Blut Mangel

Kongenitaler Essenzmangel (JING XU) ist auch nach TCM kaum behandelbar und zeigt sich vor allem in der Nichtreifung zur Geschlechtsfähigkeit.
Nieren YANG Mangel (SHEN YANG XU) zeigt sich vor allem in heller Blässe und permanentem inneren Kältegefühl mit Kreuz und/ oder Kniebeschwerden. Abgeschlagenheit und schnelle Erschöpfung gehen dieser Situation bereits voraus (QI XU). Es tritt reichlich Harn auf und eine Neigung zur Inkontinenz. Frauen zeigen Frigidität und Amenorrhoe.
Nieren YIN Mangel (SHEN YIN XU) zeigt sich in Nachtschweiß, Einschlaf-störungen, fünf heißen Herzen und Kreuz und / oder Kniebeschwerden, wenig Urin. Ist der Mangel ausgeprägt und zeigt schon innere Mangelhitze kommen Unruhe und psychische Rastlosigkeit, sowie vage, nicht faßbare Ängste dazu (Furchtsamkeit). Die betroffene Person zeigt ein „pergamentenes“ Erscheinungsbild.

 Blut Mangel (XUE XU) zeigt sich in Durchschlafstörungen, Schwindel, Parästhesien, Blässe, brüchigen Nägel und sprödem Haar bei trockener, spröder Haut. Da die Leber für die Blutverteilung und Zuordnung verantwortlich zeichnet und somit auch den „Blumentopf“ Uterus zu versorgen hat, trägt sie in Abhängigkeit von der Mitte, der Quelle des Blutes, die Hauptverantwortung bei dieser Problematik. Bei genauer Anamnese kann man auch oft Tendinopathien und Sehstörungen erheben.

Kombinationen dieser Grundmuster wie Leber u. Nieren Yin Schwäche, Yang Mangel von Niere und Milz, Yin Mangel von Herz und Niere sind jederzeit möglich. Auch Füllemuster wie QI und oder Blutstagnation bzw. Kälte- Nässe im Uterus sind möglich sind aber kaum mit dem Bild der ausbleibenden Menarche in Einklang zu bringen, da die Melisse energetisch YIN- Tendenzen zeigt.

5.8.2. Hypermenorrhoe:
Als Ursache für auffallend starke Regelblutungen kann übermäßiger physischer und , oder psychischer Streß angesehen werden.
 Qi Mangel (QI XU) durch inadäquaten Nachschub oder übermäßigen Verbrauch führt dazu ,daß das Blut nicht mehr in den Bahnen gehalten werden kann, was eine Aufgabe der Milz darstellt, wobei eher blasses, dünnes Blut bei allgemeiner Schwäche in Erscheinung tritt. Qi Mangel alleine verursacht aber noch keine Schlafstörungen, welche eine Primärindikation für die Melisse darstellen.

 Blut Hitze bezieht oft den CHONG MAI mit ein, da er dem Uterus entspringt und als „Meer des Blutes“ am Zyklus der Frau starken Anteil nimmt und ist für massive Blutungen verantwortlich, dem Bild des „überkochenden Blutes“ entsprechend. Die Hitze verursacht Unruhe und ängstliche Erregung, Obstipationsneigung und dunklen Harn. Blut Hitze zeigt aber auch Blutungsneigungen in anderen Bereichen wie Gastrointestinaltrakt, Harntrakt oder anderen Organen mit Schleimhautauskleidung.

 Blut Stase (XUE YU JU) verlegt die Gefäße und nachkommendes Blut wird dadurch aus den Bahnen gedrängt. Sowohl Blut- Hitze, wie auch Blutstase sind im engen Zusammenhang mit Leberstörungen zu sehen. Bei Blut- Stase ist die Blutung dunkel und klumpig und mit stechend, schneidenden Schmerzen verbunden. Die Blutung selbst aber bringt Erleichterung. Eine Steigerung dieses Syndroms wäre eine Qi-, Blut- und Schleimstagnation welche zu Knotenbildung im betroffenen Organsystem, in diesem Fall dem EXTRA- FU Organ Uterus, bzw. an den Adnexen führt.

5.8.3. Dysmenorrhoe:
In der Literatur werden unterschiedliche Syndrommuster der Fülle und des Mangels differenziert, bei denen emotionale Belastungen zu den wichtigsten und häufigsten Auslösefaktoren zählen, da alle Emotionen im Übermaß zu
Leber Qi Stagnation (GAN QI YU JIE) führen können und, diese wieder zur Blutstagnation im Uterus, was schmerzhafte eher schwache, dunkle Blutungen zur Folge hat. Die Schmerzen sind ziehend, anspannend und treten meist schon vor der Regel mit Brustspannen auf. Da Qi aber das Blut bewegt, führt Qi Stagnation oft auch zur
Blut Stagnation (XUE YU JU) die sich durch stechend, schneidende Schmerzen bemerkbar macht. Die Schmerzen lassen mit der Blutung dann nach. Auch diese Stagnation ist eng verbunden mit der Leber, welche für den freien Qi Fluss und die Blutverteilung zu sorgen hat. Die Pathogenese dieser Situation ist schon oben näher erläutert.

Kälte im Unterleib findet man eher bei jungen Frauen durch falsche, d.h. zu leichte Bekleidung bei Kälteexposition. Auch der Geschlechtsverkehr während der Regel kann zu einem solchen Bild führen. Die Blutung ist eher von normaler Farbe mit kleinen schwarzen Klümpchen. Wärme bessert die Beschwerden. Es kann noch zwischen Fülle- Kälte und Mangel- Kälte unterschieden werden, welche aber beim Bild des Nieren YANG Mangel Syndroms abgehandelt wird.
QI und Blutmangel ( QI XUE XU) Dysmenorrhoen werden begleitet von permanenter Abgeschlagenheit mit Spontanschweiß, Schwindel, Parästhesien und Durchschlafstörungen. Hier ist der Ursprung der Mangelzustände genau abzuklären um adäquate Behandlung angedeihen lassen zu können, da die Mitte Quelle von Qi und Blut darstellt, die Niere aber Ursprung von allem Qi ist, welches wieder Grundlage für die Blutproduktion darstellt.
.
YANG und Blut Mangel (YANG XUE XU) wird immer von andauerndem Kältegefühl bei permanenter Abgeschlagenheit begleitet. Dazu kommen Schwindel, Parästhesien und Durchschlafstörungen. Die Blutung ist schwach und hell.
YIN Mangel in Niere und Leber (SHEN GAN YIN XU) ist in unseren Breiten oft das Ergebnis von lang anhaltendem Stress und Frust. Beides sind YANG Faktoren, welche das YIN „auffressen“, wobei zumeist erst die Leber davon betroffen ist und in der Folge dieser Sohn die Mutter Niere erschöpft, wodurch ein relatives YANG Bild erhalten bleibt. An Symptomen zeigen sich Kreuzschmerzen, Nachtschweiß, fünf heiße Herzen, Verspannungen, Sehstörungen und mit Angst verbundene Aggressionsneigungen in Form von „Bengalischem Feuer“, d.h. viel Lärm um nichts und ohne Konsequenzen.
6. ZUSAMMENFASSUNG DER SYNDROMENMUSTER

Einschlafstörung:
 Loderndes Herzfeuer (XIN HUO SHANG YAN)
 Loderndes Leberfeuer (GAN HUO SHANG YAN)
 Herz Blut Mangel aus Mitte Qi Schwäche ( XIN XUE PI QI XU)
 Herz Blut Mangel (XIN XUE XU)
 Herz YIN Mangel (XIN YIN XU)
 Schleim- Hitze (TAN HUO)
 Disharmonie zwischen Herz und Niere (XIN SHEN BU JIAO)
 Herz und Gallenblasen QI Mangel (XIN DAN QI XU)
 Leber YIN Mangel (GAN YIN XU)

Agitierte Depression:
 Durch plötzlichen Schreck bei schwacher Konstitution wird Herz Qi zerstreut und somit der Geist SHEN in Unruhe versetzt
 Herz- Blut Mangel (XIN XUE XU)
 exzessiver Hitze durch Wasser YIN Defizit (SHEN YIN XUGAOWEN)
 Nieren und Milz Defizit (SHEN PI QI XU)
 Feuerhitze- Schleim (DAN SHI RE)
 Leber- Qi- Stagnation (GAN QI YU JIE)
 Loderndes Leber Feuer (GAN HUO SHANG YAN)
 Qi- Flußblockade durch Schleim und Blutmangel (QI YU JIE TAN QUAN XUE XU)

Nervöser Magen- Darmtrakt:
Eine Mitteschwäche aus einer chronischen Nierenschwäche (SHEN PI XU), welche das Leber- Yin nicht mehr ordentlich nähren kann

Periphere Durchblutung:
Da alle Funktionskreise daran beteiligt, ist ein klares Syndrommuster nicht ableitbar

Muskelkrämpfe:
Leber Blut bis YIN Mangel (GAN XUE / YIN XU)

HSV1 – Infekt:
WEI- Hitze- Syndrom

Lungenkrebs:
 Trockenheit
 Aberrantes Lungen Qi
 Hitze
 Blutstagnation in den Kollateralen
 Gestörte Verteilung der Körperflüssigkeiten, welche zu Schleimansammlungen führen
 Eingestautes Qi, welches gegen die Lunge rebelliert und ihre Funktion behindert
 Disharmonie zwischen Mittlerem und Oberen JIAO, welche das Diaphragma belastet

Hautkrebs:
 Pathogene Hitze im Inneren, welche Yin konsumiert und ZHENG-QI schwächt
 YIN- Erschöpfung im Nieren und Leber- Bereich nach chronischen Erkrankungen

Späte oder keine Menarche:
 Kongenitaler Mangel an Essenz
 Nieren – YANG – Mangel
 Nieren – YIN – Mangel
 Blut Mangel

Hypermenorrhoe:
 Qi Mangel
 Blut Hitze
 Blut Stase

Dysmenorrhoe:
 Leber Qi Stagnation (GAN QI YU JIE)
 Blut Stagnation (XUE YU JU)
 Kälte im Unterleib
 QI und Blutmangel ( QI XUE XU)
 YANG und Blut Mangel (YANG XUE XU)
 YIN Mangel in Niere und Leber (SHEN GAN YIN XU)

Extrahiert man aus der Fülle der Syndromenmuster all jene, welche in Summe zur Übereinstimmung gebracht werden können ergibt sich letztendlich ein Innen Mangel Syndrom:

Herz Blut Mangel (XIN XUE XU) bis Herz YIN Mangel (XIN YIN XU) aus einer Disharmonie zwischen Herz und Niere (XIN SHEN BU JIAO) welche aus Nieren YIN Defizit (SHEN YIN XUGAOWEN) mit einer Mitteschwäche aus einer chronischen Nierenschwäche (SHEN PI XU) entsteht wobei in der Folge auch ein Leber Blut bis YIN Mangel (GAN XUE / YIN XU) auftreten kann.
WEI- Hitze- Syndrom

7. GRUNDLAGEN DER HEILKRÄUTERBESCHREIBUNG NACH TCM
7.1. ENERGETIK UND GESCHMACK:
Energetik: Dieses gibt Auskunft über die energetische Dynamik des Heilkrautes. Es ist leicht veränderbar und daher von YANG- Charakter od. Aspekt.
Tabelle 7: Temperaturverhalten von Heilkräutern
YIN YANG
kalt kühl neutral warm heiß
verlangsamend
 verdichtend 
ansammelnd erhaltend entfaltend
 dynamisierend 
auflösend
Substanzen werden ergänzt
Säfte werden bereitgestellt
Materie wird gesammelt
Prozesse werden nach unten geführt Saft spendend u. erhaltend
Aktive Energie bereitstellend Dynamik wird vermehrt
Materie wird aufgelöst und zerstreut
Prozesse werden beschleunigt und nach oben geführt
Wirkbereich
YIN

Magen
Lunge
Leber
Niere

Mitte YANG

Milz
Niere
Herz
Leber


Ziel: Dieses zeigt an, welche Wandlungsphase und speziell welches Voll- oder Hohlorgan im speziellen von diesem Heilkraut beeinflußt wird.
Geschmacksrichtung: Diese gibt Auskunft über die Tiefe der Wirkung und hat lokalisierenden Charakter. Da der Geschmack kaum veränderbar ist, spricht man von YIN- Charakter od. Aspekt.
Die Geschmacksrichtungen sind von Ihrer Wirkung auch dem YIN od. YANG zuordenbar.
Tabelle 8: Geschmacksqualitäten
YIN YANG
salzig bitter sauer neutral süß scharf
Befeuchtend, sammelnd, absenkend, erweichend, lösend Trocknend, bindend, klärend, drainierend Adstringierend zusammen-ziehend aufrauhend, stopfend Flüssigkeits-haushalt regulierend, Ausscheidung anregend Säfte produzierend, stützend, regulierend, harmonisierend Entfaltend, lösend, öffnend, mobilisierend, oberflächlich wirkend

7.1.1. Wirktendenz:
Emporhebend: Heilkräuter mit schwacher Temperaturprägung eher warm und eventuell etwas scharf verhindern das Eindringen pathogener Faktoren in die Tiefe indem sie körpereigenes Qi an die Oberfläche bringen.
Oberflächen wirksam: Diese Heilkräuter haben kräftiges Qi, sind sehr warm u. scharf
Absenkend: Heilkräuter mit schwachem Geschmack zw. süß u. salzig, neutral bis kühl
In Tiefe wirksam: Heilkräuter mit starker Geschmacksprägung von bitter bis salzig, kühl bis kalt, sind reinigend
7.1.2. Wandlungsphasenbezug:
Dieser wird durch das Temperaturverhalten und den Geschmack bestimmt und weist daher oft mehrere Verbindungen auf.
Tabelle 9: Wandlungsphasenbezug
YIN YANG
kalt kühl neutral warm heiß
salzig bitter sauer neutral süß scharf
Niere Herz Leber Milz Lunge

In der TCM- Pharmakologie ist jedes Heilkraut nach diesen Kriterien beschreibbar, so daß seine Wirkung in Kombinationen jederzeit ableitbar wird und durch gezielte Kombinationen therapeutische Ziele erreicht werden können.
Bei diesem Bezug ist zu beachten, daß er mehr als nur den uns bekannten Organbezug darstellt, sondern die komplette Funktionseinheit nach chinesischer Sicht inklusive seines Partners beinhaltet, dabei aber im Gesamten beeinflußt oder anspricht, da der Funktionskreis nicht aus seinen Zusammenhängen gelöst werden kann.
Daraus können an die Melisse folgende Anforderungen gestellt werden:
 Sie muß Bezug haben zum Herzen, zur Mitte und zur Niere und über diese auch zur Leber; sie muß Mangelhitze kühlen können und bis an die Oberfläche ins YANG-Qi wirken; sie muß YIN und Qi tonisierend sein und einen Blut und QI bewegenden Aspekt aufweisen.
 Daher muß sie vom Temperaturverhalten her kühl bis kalt sein.
 Sie muß von süß- scharfem Geschmack sein.
 Sie muß Bezug zum Herzen und zur Milz haben über, die sie die Niere wieder herstellt und so auch auf die Leber Wirkung entfaltet.
8. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND BESCHREIBUNG DER MELISSE ENTSPRECHEND DER TRADITIONELLEN CHINESISCHEN PHARMAKOLOGIE

Temperatur:
kühl mit Tendenz zur Kälte
Geschmack:
süß, scharf
Funktionskreisbezug:
Herz, Milz und Niere
Wirkung:
Harmonisiert Niere und Herz, harmonisiert die Mitte, beruhigt den Geist, stärkt Nieren Yin und befreit die Oberfläche von Hitzeaffektionen
Indikationen:
 Schlafstörungen durch Nieren- Herz Disharmonie
 Mitte Qi Schwäche
 Nieren YIN Schwäche
 Oberflächen Hitze in der WEI Ebene

Nach dem Kosmologischen- Zyklus ist die Melisse ein Heilkraut, welches die zentrale Achse in ihrer Funktion stützt und harmonisiert, indem sie im Wasser Basis schafft, die Mitte in Schwung bringt und das Herz, SHEN, besänftigt. Das Metall befreit sie von Oberflächen- Hitze und im Holz löst sie Tendenzen zur Qi- Stagnation.
druckerfreundliche Version Zurück zur Übersicht Seitenanfang
  News     Therapien     Programm     Team     Über die TAG     Links     Kontakt     Lageplan